EH-DA-PROJEKT FÜR MEHR ARTENVIELFALT

Wir berichten über den Auftakt beim "Eh da"-Projekt: Im Kulturviereck wurde das Projekt durch den Beigeordneten und Umweltdezernenten Dieter Schuhmacher sowie den Projektleiter und Landespfleger Hans-Jürgen Bub und zahlreiche Experten vorgestellt.

Das Projekt ist nun offiziell gestartet: Am Donnerstag, 10. Dezember, wurde im Kulturviereck das Projekt durch den Beigeordneten und Umweltdezernenten Dieter Schuhmacher sowie den Projektleiter und Landespfleger Hans-Jürgen Bub und zahlreiche Experten vorgestellt. Im Anschluss konnten die Bürger Fragen stellen und Anregungen auf den Weg bringen.

Bei "Eh da" geht es um den Erhalt der Biodiversität: Um die Vielfalt, Flora und Fauna sowie das ressourcenschonende Erhalten und Erfassen freier Flächen wird sich das Projekt bis Sommer 2016 drehen. Die Nachhaltigkeit soll aber deutlich darüber hinausgehen, sagt der Dritte Beigeordnete und Umweltdezernent der Gemeinde Dieter Schuhmacher: "Wir werden im Projekt eine große Anzahl von bisherigen 'Eh da-Aufgaben' integrieren. Das Ziel wird sein, zum Ende des Projektes eine umfassende Neugestaltung von Flächen, Personal- und Aufgabenressourcen festzulegen. Das gilt natürlich auch für laufende 'Eh da-Kosten' im Bereich Umwelt." Das "Eh da"-Projekt bezeichne die Summe der Aufgaben, die er in den vergangenen 18 Monaten erkannt habe. "So ergibt sich die Chance, dass wir alle Aufgaben angehen, die bisher über Jahre liegen geblieben sind."

Eine sich daraus ergebende Dokumentation aller Arbeiten ist selbstverständlich, so der Umweltdezernent: Auch ein längst überfälliges Grünflächenkonzept der Gemeinde Haßloch könne aus dem Projekt resultieren.

Die Nachhaltigkeit des Projekts gehe weit über das Projekt hinaus, betont ebenfalls Landespfleger und Projektleiter Bub, und werde deshalb auch die kommenden Jahre prägen.

Das Konzept wurde bei der Auftaktveranstaltung ausführlich und strukturiert vorgestellt. Die Projektarbeit wird auch künftig stets detailliert aufgezeigt und immer in den Gremien sowie der Öffentlichkeit vorgestellt.


AUFTAKTVERANSTALTUNG VOM 10. DEZEMBER 2015

Auftakt des "Eh Da"-Projekts in Haßloch: Gemeinsam für mehr Artenvielfalt

Haßloch hat den Staffelstab von Bornheim übernommen und sich auf den zehnmonatigen Weg gemacht, das "Eh da"-Projekt vor Ort umzusetzen: "Es wird aber dann nicht etwa enden, sondern nachhaltig Probleme lösen, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben sind", kündigte Beigeordneter und Umweltdezernent Dieter Schuhmacher (SPD) im Kulturviereck den interessierten Bürgern sowie Vertretern von Vereinen und Verbänden an.


Im September 2015 hatte Haßloch sozusagen den Staffelstab von Bornheim, der ersten offiziellen "Eh da-Gemeinde" in Rheinland-Pfalz übernommen: Auf Initiative des seit vielen Jahren tätigen Umweltforums sei er in Bornheim gewesen, erzählte der Dritte Beigeordnete und Umweltdezernent Dieter Schuhmacher den Zuschauern bei der "Eh da"-Auftaktveranstaltung im Haßlocher Kulturviereck. Anschließend war das Projekt im Feld-Wald-und Umweltausschuss sowie im Gemeinderat vorgestellt worden, und nun war es am 10. Dezember endlich soweit: "Eigentlich steckt 'Eh da'  ja noch in den Kinderschuhen", begrüßte Kerstin Krohn von der Initiative Innovation & Naturhaushalt (Forum Moderne Landwirtschaft e.V.) die Zuhörer: "Aber hier ist ja schon eine echte Eh da-Hochburg."



 "Freie Ökologische Potenzialflächen", führte Krohn fort, "wäre eine Alternative zum Namen 'Eh da' gewesen, aber dann säßen Sie heute vermutlich nicht hier." Die UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 bis 2020 biete die große Chance, mehr Menschen für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren. Bienen als Blütenbestäuber hätten die bedeutendste "Schlüsselfunktion" im Ökosystem inne, da sie das Leben von Pflanzen und Tieren verbinden. Bei Obst sei dies ganz besonders wichtig. Darum gelte: "Wir haben unser Projekt ganz stark auf die Wildbiene fokussiert." Außerdem hob Krohn den Grundsatz "Die Bewahrung des Naturhaushalts geht uns alle an" stark hervor, bevor sie die Chronik des Projekts vorstellte und die Bürger zur Teilnahme an "Eh da" aufrief: "Tue Gutes und rede darüber. Ich kann Sie nur ermuntern."

Dass "Eh da" alles andere bedeutet als Nichtstun, machte Professor Dr. Christoph Künast, Biologe bei "Eco-System Consulting" allen klar: So wie es in der Geschäftswelt die so genannten "Eh da"-Kosten gebe, verfüge man in der Natur eben über Offenlandflächen in Agrarlandschaften, die weitgehend ungenutzt seien und die eine ökologische Aufwertung erlauben. Bienen und Blüten gehörten einfach zusammen, darum gäbe es "gute Gründe, sich für Bienen als Schutzziele zu interessieren". Honig-, aber auch die Wildbiene fungiere als Indikator für eine vielfältige Artenlandschaft, betonte Künast, und das "Eh da-Projekt" konkurriere keinesfalls mit anderen Naturschutzmaßnahmen.

 "Think global, act local!" Das klinge zwar zunächst etwas abgedroschen, sagte Dr. Matthias Trapp vom Institut für Agrarökologie/RLP AgroScience. Aber es stimme eben wirklich: "Das Tolle an 'Eh da' ist, man kann sozusagen machen, was man möchte, denn man will nichts produzieren und muss keine Auflagen erfüllen." Trapp stellte die Biodiversitätsstrategie Rheinland-Pfalz und das Biotopkataster vor. Eine interaktive Computeranwendung für Laptop und Smartphone solle künftig mithelfen, indem jeder Bilder machen und der Webapplikation zur Verfügung stellen könne. Eine Mischung aus Bestandpflege und Neuanlagen sorge dafür, dass "das Saldo am Ende auf jeden Fall auf der richtigen Seite" sein werde.


Auch der Ortsbürgermeister von Bornheim, Professor Dr. Karl Keilen, gab sich zum Projektstart in Haßloch die Ehre und berichtete aus seinem Ort, der auch als "Storchendorf" längst Berühmtheit erreicht hat: "Eh da" ist in Bornheim angekommen, weil es dort "einen Artenreichtum gibt, wie man es nie vermutet hätte". Denn wer suchet, der findet - und das soll auch in Haßloch so geschehen. Oft passe das Mähverhalten mehr in Bauhof-Pläne als in Abläufe der Natur, findet Keilen. "Man glaubt, man weiß, was eine Biene ist oder eine Hummel, und dann hat man allein über hundert Wildbienensorten", berichtete er begeistert. Von der "Mauerbiene" bis zur "Zaunrübensandbiene" erzählte er den Haßlochern anschaulich, warum man auch mal das Efeu an einer Friedhofsecke wachsen lassen darf und sollte.    

Teurer sei durch "Eh da" in seinem Ort nichts geworden, versicherte Keilen: "Das einzige, was sich verändert, sind die Zeitpunkte, wie etwa beim  Mulchen." Darum habe man schon in Bornheim auf eine qualifizierte Informations- und Öffentlichkeitsarbeite gesetzt, um größtmögliche Bürgerakzeptanz zu erreichen, riet er Haßloch zu.

Der Landespfleger der Gemeinde Haßloch und zugleich "Eh da"-Projektleiter Hans-Jürgen Bub stimmte seinem Vorredner aus Bornheim zu und betonte: "Dieses Projekt muss dauerhaft Bestand haben." Die Flächen würden schon heute alle von der Gemeinde bewirtschaftet, nun gelte es daher, für den Nutzen von "Eh da" zu werben: "Eine gute Öffentlichkeitsarbeit muss ständig gegeben sein."

Auch Umweltdezernent Schuhmacher selbst stimmte das Publikum abschließend noch einmal auf die nachhaltigen Ziele ein, bevor er zusammen mit der Expertenrunde auf der Bühne zahlreiche Fragen aus dem Publikum beantwortete: Seit 18 Monaten sei er nun für den Bereich Umwelt zuständig und freue sich auf die "Eh da"- Zusammenarbeit mit BUND, NABU, engagieren Bürgern und anderen Naturschützern. Besonderes Augenmerk soll den Friedhöfen gelten, was bereits sein Vorgänger Franz-Josef Jochem erkannt habe. "Und wenn man am Ende noch ein Grünflächenkonzept erreicht, das seit Jahren in Haßloch fehlt", sei die Nachhaltigkeit von "Eh da" gelungen und die Artenvielfalt "auf gute und schöne Beine" gestellt.

 



Mehr allgemeine Informationen über das "Eh da"-Projekt  finden Sie hier:

PRAXISLEITFADEN

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DIE VIELFALT DER NATUR BEWAHREN - BIODIVERSITÄTSSTRATEGIE FÜR RHEINLAND-PFALZ

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