Kommunales Energiemanagement

Manche Mieter, Wohnungseigentümer oder Hausbesitzer erleben zu Jahresbeginn, wenn die Energierechnungen eintreffen, eine große Überraschung. Der Verbrauch ist immens gestiegen, weshalb ein höherer Betrag als eingeplant an den Energieversorger ausbezahlt werden muss. Nach dem Schreck macht man sich wahrscheinlich folgende Gedanken: Wie zum Teufel konnte das passieren? Wie kann man das verhindern? Und überhaupt: Warum sind eigentlich die Kosten für den Energieverbrauch immer so hoch? Die Gemeindeverwaltung Haßloch versucht mittels dem Kommunalen Energiemanagement diesen Überraschungen in ihren Liegenschaften vorzubeugen.

Für das Kommunale Energiemanagement muss man sich zuvorderst einen Überblick über die einzelnen gemeindlichen Liegenschaften verschaffen. Dazu benötigt man Informationen über das Gebäude an sich und über die technischen Einrichtungen (Heizung, Warmwasserbereitung, raumlufttechnische Anlagen, Beleuchtung) aber auch über deren Nutzung. Man muss z. B. herausfinden, ob in der neu wärmegedämmten Schule die angenehme Raumtemperatur von 21 °C heute Abend erreicht werden muss, weil ein Elternabend stattfindet oder ob eine niedrigere Temperatur ausreichend ist und so Energie und Geld gespart werden kann. Basierend darauf kann man beginnen die Einstellungen von Heizung, Heizkörpern, etc. so zu justieren, dass Wärme, Warmwasser, Luft und Licht nur zu der Zeit und in der Qualität zur Verfügung stehen, wie sie notwendig ist. So kann man das Beste aus seinen vorhandenen Ressourcen und Gebäude „herausholen“ ohne, dass jemand frieren oder wohlmöglich eine Kerze zur Beleuchtung aufstellen muss. Damit der Energieverbrauch noch weiter sinkt, ist die Anschaffung von energieeffizienteren Geräten oder die energetische Sanierung der Gebäude erforderlich.

Für die Gemeinde wird mittlerweile seit einigen Jahren ein Energiebericht erstellt. Er gibt eine Übersicht über den Energieverbrauch der verschiedenen kommunalen Liegenschaften und ordnet Sie im Vergleich zu anderen ähnlichen Bauten ein. Bisher wurden diese Daten jährlich erfasst. Am Jahresanfang 2015 wurde die Verbrauchsdatenerfassung auf einen monatlichen Turnus umgestellt und soll zukünftig noch verfeinert werden. Dies ermöglicht einen besseren Überblick über den Energiebedarf und bietet die Möglichkeit auf mögliche Leckagen zu reagieren oder anderen unnötigen Verbrauch zu verhindern. Die Mitarbeiter der Gemeinde sind zudem kontinuierlich dabei Optimierungspotenzial in den einzelnen Einrichtungen aufzudecken und wo möglich zu heben. Dabei kann es sich um größere Umbauten handeln, aber auch um kleine Maßnahmen, die direkt mit  geringem Aufwand und benötigten finanziellen Mitteln umgesetzt werden können. Für alle beschriebenen Teilaufgaben ist die Mitarbeit der Nutzer vor Ort erforderlich, deren Behaglichkeit in den Gebäuden man schließlich steigern will. Für die Gemeinde ist neben dem Nutzerkomfort im Endeffekt wichtig, dass der Energieverbrauch sinkt, Haushaltsmittel eingespart und der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und anderen schädlichen Treibhausgasen reduziert wird.

Jeder Einzelne kann das Kommunale Energiemanagement auch in seinem Haus oder Wohnung in kleinerem Maßstab umsetzen. Man kann am Strom-, Wasser- und Gaszähler den monatlichen Verbrauch notieren. Man kann auf die Vielzahl an Energieeinspartipps zurückgreifen oder man kann sich beraten lassen und eine energetische Sanierung umsetzen.

Konkrete Maßnahmen bei der Gemeindeverwaltung

Sanierung der Beleuchtung im Rathaus

Zwei Ziele hatte die Anfang des Jahres 2017 begonnene Sanierung der elektrischen Beleuchtungsanlage des Rathauses der Gemeinde: Nicht nur sollten künftig Energie und Energiekosten gespart werden, sondern es sollte auch eine den aktuellen Anforderungen genügende Art der Beleuchtung (Stichwort: möglichst geringe Blendung bei Bildschirmarbeitsplätzen) und eine ausreichende Lichtstärke an den Arbeitsplätzen im Rathaus erreicht werden. Gefördert wurde die Maßnahme im Rahmen der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ (NKI) vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Förderrichtlinie verlangte, dass durch die Maßnahme nicht nur im erheblichen Umfang Energie eingespart werden sollte, sondern es mussten auch strenge wirtschaftliche Rahmenbedingungen erfüllt werden. Dies verlangte angesichts der Tatsache, dass die vorhandene Beleuchtung nicht einmal die Hälfte der Lichtleistung lieferte, wie dies die aktuelle Richtlinie für Bildschirmarbeitsplätze fordert, von den beteiligten Planern (Bauabteilung/ Umweltbeauftragter und Büro Prinz, Haßloch) fast die Quadratur des Kreises. Dank Ausschöpfung aller technischen und finanziellen (Einspar-)Möglichkeiten gelang dies aber schließlich.

Umgesetzt wurde die Maßnahme nach Ausschreibung der Arbeiten und Submission durch den BVE-Ausschuss. Wie geplant, wurden ca. 380 Lichtpunkte (vorwiegend mit Leuchtstoffröhren bestückte, ungeregelte Deckeneinbauleuchten) durch mit neuen, elektronisch geregelten LED-Anbauleuchten ausgestattet. Die Regelungstechnik berücksichtigt einerseits die Anwesenheit von Menschen in den Büros, Besprechungszimmern und sonstigen Räumen und andererseits die Menge des vorhandenen, natürlichen Lichts und steuert dementsprechend die neuen Leuchten. Bei der Sanierung konnte die Anzahl der Leuchten gegenüber den vorhandenen Lichtpunkten aufgrund der höheren Lichtleistung der neuen LED-Leuchten auf ca. 290 Stück reduziert werden. Aufgewendet wurden für die Maßnahme ca. 104.000 €. Im Rahmend der NKI wurde ein Zuschuss in Höhe von ca. 24.000 € signalisiert. Neben der nun normgerechten Beleuchtung der Arbeitsplätze wird eine erhebliche Einsparung von Energie bei der Beleuchtung erwartet.


Holznahwärmeversorgungsanlage an der Schillerschule

Auch bei eisigen Temperaturen, bleibt es in den Klassenräumen der Haßlocher Schillerschule wohlig warm. Auch in den Räumen der Kindertagesstätte Buntspechte genießen die Kinder die angenehme und vor allem klimafreundliche Wärme. Seit November 2017 werden beide Einrichtungen über ein neues Nahwärmenetz auf Basis von Holzpellets versorgt. Gefördert wurde diese Klimaschutzmaßnahme durch das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) sowie im Rahmen des Programms „Zukunftsfähige Energieinfrastruktur“ des Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz.

„Durch die neue Wärmeversorgung verringert sich der CO2-Ausstoß um 102 Tonnen, das sind rund 84 Prozent“, freut sich der Umweltbeauftragte der Gemeinde Haßloch, Michael Müller. Die Wärmeversorgung von Gas auf Holzpellets umzustellen, stand aufgrund des hohen CO2-Einsparpotenzials schon länger auf seiner Agenda. Diese Maßnahme geht aus dem 2013 erstellten Energie- und Klimakonzept der Gemeinde hervor. Als im Winter 2016 der Gasheizkessel der Schillerschule aufgrund eines irreparablen Defekts außer Betrieb genommen werden musste, bestand akuter Handlungsbedarf.

Eine Herausforderung lag zunächst darin, die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger  von der Maßnahme zu überzeugen. „Aufgrund der aktuell sehr niedrigen Preise für fossile Energieträger war die Skepsis groß, ob sich die Maßnahme trotz Fördermittelzusage des Bundes wirtschaftlich rechnet“, erinnert sich Müller. „Umso mehr freue ich mich, dass wir alle Zweiflerinnen und Zweifler überzeugen konnten.“ Wichtiges Argument war neben der Senkung der Treibhausgasemissionen auch, dass durch das Nahwärmekonzept keine separate Heizungsanlage im Neubau der Kita „Buntspechte“ nötig sein würde. Die Schule und die Kindertagesstätte befinden sich auf benachbarten Grundstücken, allerdings getrennt durch eine Straße.

Die Schillerschule besteht aus drei Schulgebäuden mit Unterrichtsräumen, einem integrierten Kinderhort sowie einer Schulturnhalle. Um die Schülerinnen und Schüler nach dem Ausfall des Gasheizkessels nicht im Kalten sitzen zu lassen, wurde zunächst eine mobile Erdgas-Heizzentrale als kurzfristiger Ersatz aufgestellt. Danach konnten die eigentlichen Planungs- und Installationsarbeiten für die neue Anlage unter Einbezug des Kita(ersatz-)neubaus beginnen.

Die neue klimafreundliche Wärmeversorgung sieht so aus: Ausgehend von einer Heizzentrale auf dem Schulgelände werden alle genannten Gebäude über ein neues Nahwärmenetz mit Warmwasser für ihre Heizkörper beliefert. Die Wärmeerzeugung wird durch zwei Holzpelletskessel vorgenommen. Die Holzpellets werden in einem eigenen Container neben dem Heizcontainer mit den technischen Anlagen gelagert. Beide Container wurden in Fertigbauweise errichtet. Im Neubau der „Buntspechte“ wurde zudem ein Wärmetauscher installiert und  es musste eine Nahwärmeleitung zu dem Gebäude verlegt werden. Die veralteten Nahwärmeleitungen zu den einzelnen Schulgebäuden wurden ebenfalls erneuert.

Bereits im September 2017 startete der Probebetrieb der neuen Anlage, Ende November desselben Jahres wurde sie offiziell in Betrieb genommen. Die Schulleitung der Schillerschule stand dem Projekt von Beginn an sehr positiv gegenüber. „Schließlich bietet das Projekt auch die Chance, den Schülerinnen und Schüler eine nachhaltige Möglichkeit der Wärmeerzeugung zu vermitteln“, sagt Umweltdezernent Dieter Schuhmacher.

Um die Maßnahmen umzusetzen, beantragte die Gemeindeverwaltung Haßloch sowohl eine Förderung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative als auch über das Programm „Zukunftsfähige Energieinfrastruktur“ des Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz. Auf diese Weise konnten Fördermittel in Höhe von etwa 134.000 Euro eingeworben werden. Der Eigenanteil der Gemeinde reduziert sich somit auf voraussichtlich 235.000 Euro. Der Nutzen für die Umwelt, so Umweltdezernent Dieter Schuhmacher: unbezahlbar!