Hoffnung auf bessere Zeiten
Bekanntlich hatte die Pfandpflicht für Einwegverpackungen (Dosenpfand") Anfang 2003 dafür gesorgt, dass der Absatz der Getränkedosenhersteller in Deutschland fast völlig eingebrochen war. Nach Angaben von Ball Packaging, dem größten Hersteller von Getränkedosen in Deutschland, sind 2004 hierzulande nur noch rund 250 Millionen Dosen abgesetzt worden. Noch 2002, also vor Einführung des Dosenpfands, waren es 3,5 Millionen Dosen gewesen. Seit Januar 2003 wird - wie auch an den anderen Produktionsstandorten von Ball Packaging - in Haßloch kurz gearbeitet. Betriebsbedingte Entlassungen hat es trotz der Absatzflaute nicht gegeben: Immer noch sind in Haßloch 184 Mitarbeiter beschäftigt.
Anlass für die Hoffnung auf bessere Zeiten ist für Werkleiter Piegl eine Gesetzesänderung, die am 1. Mai 2006 in Kraft tritt. Dann nämlich müssen alle Händler, die Getränke in Einwegverpackungen verkaufen, solche auch wieder zurücknehmen. Damit werden die Insel-Lösungen", bei denen die Händler nur das eigene Leergut wieder annehmen, der Vergangenheit angehören. Davon verspricht sich die Branche eine Belebung des Absatzes für Getränkedosen.
Auch Piegl geht davon aus, dass sich die Gesetzesänderung ab Mai 2006 in steigenden Produktionszahlen niederschlagen wird. Wir haben wieder Hoffnung", sagt er, schränkt allerdings ein: Ein Comeback der Dosen wird davon abhängen, wie die Verbraucher reagieren und ob der Handel wieder Dosen ins Regal stellt." Die großen Handelsketten hatten nach Einführung des Pflichtpfands für Einwegverpackungen Getränkedosen ausgelistet.
Bis Ende Februar werde in Haßloch mit Sicherheit kurzgearbeitet, und da sich der Markt auch nach dem 1. Mai 2006 nur langsam anpassen werde, rechnet Piegl auch im weiteren Verlauf des Jahres zunächst noch mit Kurzarbeit. Zu erwartende Kostensteigerungen im nächsten Jahr beim Material wie auch bei der Energie werden für weitere Belastungen sorgen, meint der Werkleiter. Der Kostendruck sei weiterhin sehr hoch.
Nach Angaben Piegls liegt die Auslastung übers Jahr gesehen bei 60 Prozent. Zwei Produktionslinien - eine für 0,33- und eine für 0,5-Liter-Dosen - werden derzeit gefahren. Seit 2003 lebe das Werk praktisch vom Export, in den nach wie vor 95 Prozent der produzierten Dosen gingen, und nur fünf Prozent blieben für den deutschen Markt. Auf Dauer ließe sich das nicht durchhalten, ist Piegl überzeugt. Schließungen von Werken oder Stilllegungen von Produktionslinien wären irgendwann die Folge, wenn sich der Markt nicht belebe. Aber die Konzernleitung von Ball Packaging sei seit der Einführung des Dosenpfands immer optimistisch gewesen, habe die politische Entwicklung erst einmal abgewartet und stehe zu ihren Produktionsstandorten.
Auch die Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 90 Prozent zeige, dass das Unternehmen sozial denke und auf seine gut qualifizierten Mitarbeiter großen Wert lege. Trotz der seit nun drei Jahren anhaltenden schwierigen Lage sei die Fluktuation sehr gering und die Motivation der Beschäftigten hoch. (guh)
(Die Rheinpfalz, 27.12.2005)