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Ab März 2007 sollen wieder Dosen vom Band rollen

Bei Ball Packaging laufen letzte Abrissarbeiten - Beim Wiederaufbau wird Option für Erweiterungen berücksichtigt

Öfen zur thermischen Nachbehandlung von Dosen Mitte März 2007 sollen im Haßlocher Werk von Ball Packaging Europe wieder die ersten Dosen vom Band rollen. 2008 sollen wieder jene Produktionszahlen erreicht werden, die das Getränkedosenwerk vor der Einführung des Dosenpfands vor drei Jahren hatte. Ehrgeizige Ziele hat sich das Unternehmen fast fünf Monate nach der Brandkatastrophe und zwei Monate nach der Entscheidung für den Wiederaufbau gesetzt. Der Blick über das Gelände, auf dem die Produktionshalle stand, zeigt: Abrissbirne und Bagger haben ganze Arbeit geleistet. Nur noch Stahlgerippe erinnern derzeit daran, dass hier bis zum verheerenden Brand am 1. April pro Minute und Linie 2400 Dosen produziert wurden.
Werkleiter L. Piegl Zwei Wochen noch, sagt Werkleiter Lorenz Piegl im Gespräch mit der RHEINPFALZ, sollen die Abrissarbeiten dauern. Dann endlich werde der Zeitpunkt kommen, an dem keine rauchgeschwärzten Wände mehr an die dunklen Stunden denken lassen, in denen das Werk bei dem Großbrand schwer beschädigt worden war. Für Piegl wird es schon aus psychologischen Gründen ein markanter Einschnitt sein, wenn der tatsächliche Wiederaufbau des Werks beginnt. Um keine Zeit zu verlieren, seien parallel zum Abriss die Planungen für das neue Produktionsgebäude gelaufen. Auf der gleichen Fläche wie zuvor soll die etwa 10.000 Quadratmeter große Halle als reine Stahlkonstruktion errichtet werden. Allerdings soll sie etwa vier Meter höher werden als ihre Vorgängerin.

Zu etwa 90 Prozent sind die Maschinen nach Angaben von Piegl beim Brand zerstört worden. Die neuen Maschinen werden „das Neueste, was es auf dem Markt gibt", sein. Sobald die Halle steht, voraussichtlich im Dezember, sollen die ersten Maschinen kommen und sofort montiert werden. Unmittelbar, nachdem im Juni die Entscheidung für den Wiederaufbau gefallen war, seien die ersten Maschinen - diejenigen mit den längsten Lieferzeiten - bestellt worden. Je zur Hälfte kommen sie aus den USA und aus Deutschland. Große Pressen und Öfen, die aus den Vereinigten Staaten stammen, würden auseinandermontiert in Containern verschifft und hier zusammengesetzt, erläutert Piegl. Für diesen Teil des Wiederaufbaus zeichne eine gemeinsame Projektgruppe verantwortlich: Sie setze sich zum Teil aus Ingenieuren zusammen, die sich in Bonn mit dem Neuaufbau von Ball-Werken befasse, und zum Teil aus Vertretern des Haßlocher Werks.

„2008 wieder Kapazität von 2002"

Bei Piegl überwiegt die Freude darüber, dass der Standort Haßloch gerettet werden konnte und 150 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten – auch wenn, wie berichtet, 40 Beschäftigte gehen müssen. Die Mitarbeiterzahl müsse von 190 auf 150 reduziert werden, abgestimmt auf die verringerte Produktionskapazität von 1,3 Milliarden (zuvor zwei Milliarden) Dosen pro Jahr. Allerdings seien bei den Planungen für den Wiederaufbau „alle Optionen berücksichtigt", so Piegl. Von den zunächst vorgesehenen 1600 Dosen pro Minute auf jeder der zwei Linien könne jederzeit auf eine Kapazität von 2400 pro Minute und Linie erhöht werden. Um ein solches „Upspeeding", wie diese Aufrüstung im Fachjargon heißt, durchführen zu können, ist laut Piegl bereits jetzt der Platz für notwendige weitere Maschinen reserviert. Die Möglichkeiten zur Erweiterung, die der Konzern dem Haßlocher Werk einräume, zeige schon, „dass man dort weiß, was man an diesem Standort hat". Das Engagement und die Qualifikation der Mitarbeiter seien schließlich mit ausschlaggebend dafür gewesen, dass sich Ball Packaging für den Wiederaufbau entschieden habe.

Derzeit werden 90 Haßlocher Mitarbeiter an anderen Produktionsstandorten in den Niederlanden, Großbritannien, Serbien, Frankreich sowie in Weißenthurm bei Andernach eingesetzt. Peu á peu sollen diese Beschäftigten in den kommenden Monaten dort wieder abgezogen werden. Piegl geht davon aus, dass im Januar 2007 alle Haßlocher Mitarbeiter wieder hier tätig sein werden. Es habe keinerlei Probleme gegeben, Mitarbeiter zu finden, die bereit waren, für einige Monate an andere Standorte zu wechseln.

Bei den etwa 40 Mitarbeitern, die nach dem Wiederaufbau nicht mehr weiterbeschäftigt werden können, bemühe sich das Unternehmen um „sozial verträgliche" Lösungen. Glücklicherweise, sagt Piegl, könne die geforderte Zahl der Stellenstreichungen zu einem großen Teil über Alters- und Vorruhestandsregelungen erreicht werden, daneben werde es Aufhebungsverträge und für etwa 15 bis 20 Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen geben. „Jeder, der n den Vorruhestand geht, rettet einen Arbeitsplatz für einen jüngeren Kollegen", sagt Piegl. Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat, dessen Arbeit der Werkleiter ausdrücklich lobt, laufe in dieser Frage ausgezeichnet.

Besser als im Jahr 2005 soll die Produktion laufen, wenn ab Mitte März 2007 auf der ersten und dann ab Mitte April 2007 auch auf der zweiten Linie wieder Dosen produziert werden. Und 2008, so hofft Piegl, soll wieder „ein vernünftiges Level", sprich: der Stand von 2002 erreicht werden, als es noch keine Pfandregelung für Einwegverpackungen gab. Der Werkleiter sieht gute Gründe für optimistische Aussichten: Die neue gesetzliche Regelung des flächendeckenden Rücknahmesystems greife: „Man sieht wieder Dosen in den Regalen." Piegl geht davon aus, dass sich der Markt für Getränkedosen wieder erholen wird.

Erweiterte Sicherheitsmaßnahmen

Der Abschlussbericht über die Ursache des Großbrands vom 1. April liege noch nicht vor, aber es werde von einem technischen Defekt im Transportsystem ausgegangen, so Piegl. Antriebsmotor, Getriebe oder Lager kämen hierbei in Frage. Ohne den Gebäudeschaden belaufe sich der damals entstandene Schaden allein an der Technik auf rund 80 Millionen Euro.

Konsequenz des Großbrands werde eine Erweiterung der Sicherheitsmaßnahmen sein, die nach den Worten Piegls bereits vor dem Brand von Fachleuten immer wieder als beispielhaft gelobt worden seien. Künftig sollen alle Bereiche und Ebenen mit Sprinkleranlagen ausgestattet werden. Im Hinblick auf den Brand- und Explosionsschutz stehe die Versicherung FM-Global, die auf die Großindustrie spezialisiert sei und alle Ball-Werke versichere, beratend zur Seite.

Quelle: Rheinpfalz
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Bearbeiter: Ohler | Permalink | Druckansicht | top
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