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Jüdisches Leben in Haßloch

Vorwort Bürgermeister Hans-Ulrich Ihlenfeld

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

die Ereignisse der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 jähren sich 2008 zum 70. Mal.

Das Dritte Reich hat in einer unfassbaren Weise jüdisches Leben zerstört und aus Deutschland verbannt. Auch in Haßloch waren die Wirkungen des Antisemitismus zu erkennen. Von den nahezu 100 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die vor der Machtergreifung in Haßloch lebten, blieb bis zum Oktober 1940 niemand in unserer Gemeinde zurück. Sie alle mussten Haßloch verlassen, suchten Zuflucht bei Verwandten, emigrierten oder verloren ihr Leben im Konzentrationslager. Die vorliegende Broschüre zeichnet das Leben der jüdischen Familien in Haßloch nach, dessen Spuren noch an vielen Stellen in unserer Heimatgemeinde zu finden sind.

Eine neue jüdische Gemeinde entstand in Haßloch nicht mehr; doch wir sind stolz darauf - diese Broschüre dokumentiert dies in eindrucksvoller Weise - dass es seit 20 Jahren wieder ein festes und versöhnungsvolles Band unserer Gemeinde zu den früheren jüdischen Mitbürgern und ihren Angehörigen gibt. 1988 wurde erstmals ein Heimattreffen für die in alle Welt geflüchteten jüdischen Mitbürger organisiert. Dieses Treffen hat zu einer nachhaltigen Verbundenheit der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu der modernen Gemeinde Haßloch geführt. Der in Haßloch lebende Historiker und Gymnasiallehrer Dr. Johannes Theisohn hat sich von Anfang an dem Ziel der Versöhnung verschrieben. Er hat nicht nur die Geschichte der jüdischen Familien in Haßloch nachverfolgt und niedergeschrieben, sondern pflegt bis heute freundschaftliche Kontakte zu den ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Stellvertretend sei die Familie von Leo Loeb genannt, die bis in die dritte Generation Verbindung zu Haßloch hält. Leo Loeb war jüdischer Kaufmann und wurde 1930 zum dritten Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt. Sein Sohn Werner Loeb und seine Frau Erna aus Paris nahmen 1987 bei der Namensgebung der Leo-Loeb-Straße teil, deren Sohn Marc und seine Frau waren vor zwei Jahren in Haßloch zu Gast, um ihrem Sohn David die Wurzeln ihrer Familien zu zeigen.

Von den jüdischen Mitbürgern, die 1988 beim Heimattreffen in Haßloch teilgenommen haben oder mit unserer Gemeinde in Verbindung standen, sind inzwischen die meisten verstorben.

Die Dokumentation des Schicksals unserer ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist für uns eine wichtige Erinnerung und Mahnung zugleich. Diese Broschüre soll vor allem jungen Menschen das frühere Leben und das Unfassbare der Geschehnisse deutlich machen.

Der Dank gilt den Autoren des Buches, Herrn Dr. Johannes Theisohn für seine Versöhnungsarbeit, aber auch seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, vor allem dem Freundeskreis Heimatmuseum, unter Leitung von Bernd Ruckdeschel, für dieses Werk. Ich hoffe, der aktualisierte und erweiterte Band „Jüdisches Leben in Haßloch" findet 70 Jahre nach der Reichskristallnacht viele interessierte Leser.

Haßloch, den 9. September 2008

Hans-Ulrich Ihlenfeld
Bürgermeister

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Bearbeiter: Ohler | Permalink | Druckansicht | top
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