Ansprache zum Volkstrauertag 2007
Friedhof an der Bahnhofstraße
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit 85 Jahren ist der Volkstrauertag der zentrale Gedenktag zur Erinnerung an die Toten des Ersten und später des Zweiten Weltkrieges. Wir erinnern uns daran, dass allein der Zweite Weltkrieg zu über 60 Millionen Toten geführt hat. Trotz der schrecklichen Bilanz der Kriege gab es nach dem Zweiten Weltkrieg nur 16 Tage ohne kriegerische Auseinandersetzungen in der Welt.
Weit über 200 Kriege seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben ebenfalls zu Millionen von Todesopfern geführt. Die Mahnung zum Frieden ist deshalb heute so wichtig wie zu allen Zeiten in der Vergangenheit. Die Liste der negativen Auswirkungen der Kriege, aber auch von Hass und Gewalt, ist lange.
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten und einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.
Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Die Tradition des Volkstrauertages macht aber auch deutlich, dass unser Leben im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern steht. Unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.
Die Erinnerung am Volkstrauertag stößt unweigerlich an die verheerende Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland. Dieses Regime und das unendliche Leid, das es forderte, sind Teil unserer Vergangenheit. Der Nationalsozialismus auf deutschem Boden wurde überwunden und es gibt nach 1945 viele - ebenfalls zu unserer Geschichte gehörenden - nachhaltige Friedenszeichen: Die Aussöhnung mit unseren Nachbarn - vor allem mit Frankreich, die friedvolle und erfolgreiche Integration von Hunderttausenden von Flüchtlingen in West- und Ostdeutschland oder die gewaltfreie Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.
Die Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder die Mahnung ausgesprochen haben: „Nie wieder Krieg" waren geprägt von den Eindrücken und Erfahrungen der Gräueltaten der Nazizeit. Sie waren aber auch geprägt von der Intoleranz eines totalitären Regimes. Für sie war wichtig, dass der schreckliche Krieg zu Ende war, für sie war aber auch wichtig, dass sie sich in Freiheit und Demokratie bewegen konnten.
Haßlocher Bürger, die nach Flucht und Vertreibung in unsere Gemeinde gekommen waren, haben in ihren Erinnerungen eindrucksvoll beschrieben, wie überwältigend dieses Gefühl war „frei" zu sein. Es war stärker als der Schmerz über den Verlust von Angehörigen und der Heimat!
Zum Frieden gehören die Errungenschaften der Demokratie, die es ermöglichen, dass wir alle als Teil unserer Grundrechte ein Recht auf Meinungsfreiheit haben, dass wir das Recht haben uns frei zu informieren und bei Wahlen aus unseren Erkenntnissen die Konsequenzen ziehen können.
Diese Errungenschaften haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten der Bundesrepublik Deutschland nicht nur bewährt, sondern auch in Krisensituationen Stand gehalten.
Die Vergangenheit lehrt uns, dass die Geschichte immer wieder neu geschrieben wird, dass es Ereignisse gibt für die wir keine Parallelen in der Vergangenheit finden können. Denken wir nur an die Ereignisse des 11. September 2001. Deshalb besteht auch in Zukunft die Gefahr, dass wir radikale und feindselige Entwicklungen nicht rechtzeitig erkennen und gegensteuern können.
So müssen wir uns fragen:
Sind wir über die Geschehnisse und Zusammenhänge in der Welt wirklich ausreichend informiert? Waren wir zum Beispiel über die Entwicklungen im Irak vor Ausbruch des Krieges zutreffend informiert oder waren wir nicht einer nahezu globalen Täuschung erlegen?
Entfaltet unsere Demokratie wirklich genügend Aufklärungsarbeit, um immer wieder aufflackernden rechtsradikalen Tendenzen gerade in der Jugend entgegenzuwirken?
Bergen unsere Medien, so vielfältig sie sind, nicht immer mehr die Gefahr dass wir uns von sich überschlagenden Botschaften und Bildern vorschnell leiten lassen?
Gehen wir mit demokratischen Regeln, die selbstverständlich geworden sind, sorgsam genug um?
Ist uns ausreichend bewusst, dass Auseinandersetzungen in der Welt künftig vom Kampf um knapper werdende Ressourcen geprägt sein werden, welche die Kluft zwischen Arm und Reich und damit die Spannungen in der Welt noch erhöhen werden? Müssen wir nicht gerade deshalb unsere Anstrengungen zum Klima- und Ressourcenschutz noch verstärken?
Die Mahnung zum Frieden erfordert von uns in erster Linie Wachsamkeit. Der Frieden in der Welt, in Deutschland, in unserer Kommune und auch in unserem persönlichen Umfeld ist kein verliehener Zustand, sondern das Resultat unseres Handelns. Dies müssen wir uns immer wieder verdeutlichen. Wir dürfen es deshalb nicht nur sagen, sondern wir müssen weiter daran arbeiten:
„Nie wieder Krieg!"














