10-jähriges Sendejubiläum des Offenen Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim
Sehr geehrter Herr Merkler,
sehr geehrte Damen und Herren,
zum Jubiläum „10 Jahre Sendungen vom Offenen Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim“ darf ich Ihnen, sehr geehrter Herr Merkler und Ihren Mitstreitern beim Offenen Kanal namens der Gemeinde Haßloch ganz herzlich gratulieren.
Bereits die Ausrichtung des heutigen Empfangs zeigt, dass hier auf sehr hohem Niveau nahezu professionell gearbeitet wird.
Dem Sendebeginn gingen ja einige Jahre voraus, in denen der Start des Offenen Kanals projektiert wurde, gemeinsam mit der Gemeinde Haßloch und mit der Landeszentrale für Presse und Rundfunk in Ludwigshafen. Die Vereinsgründung ging voraus und vor allem die Standortsuche für die Sendezentrale des Offenen Kanals.
Die heutige Veranstaltung ist für mich selbst so etwas wie ein Déjá-vu-Erlebnis, da ich seinerzeit 1994 mit zu den Gründern des Offenen Kanals gezählt habe und für kurze Zeit stellvertretender Vorsitzender war.
Ich will aber noch etwas weiter zurückgehen. In den 80er Jahren, während meines Jurastudiums, hat sich die Rechtswissenschaft mit den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zur Rundfunkfreiheit beschäftigt. Damals – bis Mitte der 80er Jahre gab es drei Rundfunkurteile. Während sich die ersten beiden Urteile mit dem Verhältnis zwischen ARD und ZDF beschäftigt hatten, mit der Frage also, ob es neben einem öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramm noch ein zweites geben darf, wurde im dritten Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts das Privatfernsehen für verfassungsmäßig erklärt. Die Rechtswissenschaft ging von einem binnenpluralistischen und einem außenpluralistischen Modell aus. Das binnenpluralistische Modell bedeutet, dass in einem Sender – also einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender – die Vielfalt aller Meinungen und Lebensfacetten in einem Fernsehprogramm abgebildet werden. Mit der Rundfunkfreiheit in Einklang stehend wurde aber auch das außenpluralistische Modell angesehen, das die Vielfalt der Meinungen in einer Vielfalt von privaten Fernsehsendern widergespiegelt sieht. In diesem vielfältigen Angebot muss es schließlich eine Nische geben, in der die Bürger ihre Meinung in einem Fernsehsender kundtun können. Diese Nische wird ausgefüllt von den Offenen Kanälen, also dem Bürgerfernsehen.
In der Tat ist heute für den Offenen Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim das Attribut „Aktives Bürgerfernsehen“ sehr zutreffend. Der Offene Kanal ist jedoch zu sehr viel mehr geworden: Er ist ein Medium unserer engeren Region, das bei den Zuschauern äußerst beliebt ist. Anders als die lokale Presse kann das Fernsehen die Menschen in der Aktion, in der Bewegung oder auch in der Diskussion und im Gespräch zeigen.
Wenn ich heute hier stehe, dann tue ich dies in dreifacher Hinsicht:
In erster Linie natürlich als Bürgermeister der Gemeinde Haßloch, der den Offenen Kanal in Haßloch nicht mehr missen möchte, aber auch als Gründungsmitglied und schließlich als Darsteller im Offenen Kanal. Unsere Sendung „Neues aus dem Rathaus“ dient der Information der Bürger und stößt auf ein außerordentlich großes Interesse bei der Bevölkerung.
Seit der Gründung des Offenen Kanals im September 1994 sind knapp dreizehn Jahre vergangen. Es ist eine kurze Zeitspanne, in der sich aber sehr viel ereignet hat. An dieser Stelle möchte ich heute auch bemerken, dass der Offene Kanal in diesen vielen Jahren zwar als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden kann, dass es aber auch in all diesen Jahren eine Menge Sand im Getriebe gegeben hat. Neben den heute hier anwesenden gibt es weitere Personen, die ebenfalls außerordentlich viel für den Offenen Kanal geleistet haben.
In der Gründungsphase hatte der leider früh verstorbene damalige Direktor des LPR, Herr Hochstein, bereits den Offenen Kanal Haßloch/Böhl-Iggelheim mit großem Lob versehen. Er sei der schnellste Offene Kanal in Rheinland-Pfalz, das heißt der schnellste in der Realisierung des Sendebetriebs. Damals fand man sich noch in der Anfangszeit der Offenen Kanäle, bundesweit gab es 35 Sender, in Rheinland-Pfalz davon 20. Rheinland-Pfalz war so zu sagen federführend aufgrund des bereits in den frühen 80er Jahren in der Vorderpfalz platzierten Kabelpilotprojektes. Der Offene Kanal Haßloch hat auch den Vorzug, dass hier Einschaltquoten gemessen werden können in Zusammenarbeit mit der in Haßloch ansässigen GfK, die über das Kabelfernsehen Konsumuntersuchungen durchführt.
Rückschauend kann man heute sagen, dass sich die Entstehung des Offenen Kanals äußerst vorteilhaft entwickelt hat. Bei der Gründung hat man zunächst gut daran getan, den Verein auf eine breite Basis zu stellen und vor allem die Vereine in das Geschehen mit einzubeziehen. Die Vereine haben in den Folgejahren in vielfältiger Form den Offenen Kanal auch genutzt. Auch hat man mit dem Standort hier in der Leo-Loeb-Straße eine sehr gute Lösung gefunden. In den Gründungsjahren gab es drei Vorschläge, über die näher diskutiert wurde. Einmal das Anwesen Kirchgasse 30, damals noch stark von Asylbewerbern frequentiert, der Keller des früheren Sparkassengebäudes in der Bahnhofstraße und schließlich dieses Gebäude hier in der Leo-Loeb-Straße, das 1993 durch ein Brandereignis beschädigt wurde. Die Wahl fiel schließlich auf dieses Anwesen das über viele Vorteile verfügt. Es gibt sehr gute Räumlichkeiten für den Sendebetrieb, der Standort ist zentral und verkehrsruhig gelegen. An die Gründung des Offenen Kanals und schließlich an die Aufnahme des Sendebetriebs schlossen sich viele Jahre an, in denen der Offene Kanal in Haßloch und auch in Böhl-Iggelheim mit vielen Sendungen und Beiträgen präsent war. Vor allem die Übertragungen zahlreicher Feste, darunter auch die 1400-Jahrfeier der Gemeinde Haßloch, waren wichtige Ereignisse.
Sehr geehrter Herr Merkler,
zu diesen vielen Aktivitäten in den zurückliegenden Jahren darf ich Ihnen herzlich gratulieren. Es freut mich, dass die Arbeit des Offenen Kanals Haßloch/Böhl-Iggelheim auch von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation sehr positiv gesehen wird. Wir setzen in Haßloch weiter auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal. Es freut mich außerordentlich, dass hier bei den Aktiven im Sendebetriebe sehr viele junge Menschen mitarbeiten, die hier wichtige Erfahrungen sammeln können. Die Gemeinde Haßloch hat ihre Verbundenheit mit dem Offenen Kanal bereits dadurch zum Ausdruck gebracht, dass wir uns im vergangenen Jahr langfristig mit dem Offenen Kanal mit der zur Verfügungstellung des Standortes, das heißt für die nächsten zehn Jahre gebunden haben. Ich darf Ihnen heute als kleines Zeichen der Anerkennung noch diesen Umschlag überreichen.
Vielen Dank