Oct 2, 2008

Ansprache anlässlich der Auftaktveranstaltung ILEK am 25. September 2008 in der Stadthalle Deidesheim

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde aus Deidesheim und Haßloch,

heute ist es endlich so weit, dass wir gemeinsam den Startschuss für das Projekt zur Integrierten Ländlichen Entwicklung von Deidesheim und Haßloch geben dürfen.

Gemeinsam mit meiner Kollegin Frau Bürgermeisterin Marion Magin darf ich sie alle als Vertreter und Aktivposten der Gemeinden Deidesheim und Haßloch ganz herzlich begrüßen. Wir haben Personen aus Politik, Dienstleistung, Wirtschaft und Ehrenamt eingeladen, somit aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Ganz besonders begrüße ich Herrn Ministerialrat Vogelgesang vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, der uns die Integrierte Ländliche Entwicklung in Rheinland-Pfalz näher vorstellen wird. Ich darf ihm, stellvertretend für das Land, für die finanzielle Förderung des am Anfang stehenden konzeptionellen Prozesses danken, an den sich aller Voraussicht nach ein anschließender mehrjähriger Prozess zur Regionalentwicklung anschließen wird. Ich begrüße ebenso herzlich die Vertreter des TAURUS-Instituts, Herrn Albrech und Herrn Mühlhan, die diesen Prozess federführend für unsere beiden Gemeinden durchführen. Ich begrüße schließlich die Vertreter der „beteiligten" Behörden, insbesondere Herrn Neumann vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz

Meine Damen und Herren, wir haben einige Zeit um diesen Prozess gerungen. Wir sind dankbar dafür, dass die Gemeinden Deidesheim und Haßloch als erste Gemeinden im Landkreis Bad Dürkheim diesen Prozess beginnen. Es freut uns, dass sich weitere Regionen im Landkreis anschließen werden.

Es geht bei diesem Prozess um nachhaltige Regionalentwicklung, die als EU-Fördermaßnahme inzwischen die ländlichen Regionen in Deutschland erreicht hat und die von einer Reihe von Bundesländern jeweils in landesspezifischen Förderprogrammen umgesetzt wird. Nachhaltige Regionalentwicklung, das heißt, dass wir unsere besonderen Stärken in dieser Region noch mehr hervorheben wollen und dass wir uns dabei auch als regionale Einheit verstehen.

Im Vorfeld der heutigen Veranstaltung habe ich mir die Frage gestellt, wann dieser Prozess als erfolgreich anzusehen ist? Meine Vision ist, dass ich beim Andechser Bierfest im kommenden Jahr eienm Bürger in wenigen Sätzen den Erfolg von ILEK anhand gelungener Leuchtturmprojekte erklären kann.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es gab natürlich im Vorfeld einige Diskussionen, ob denn Deidesheim und Haßloch tatsächlich für einen solchen Prozess gut zueinander passen und es stand auch die Frage im Raum, ob sich weitere Kommunen an diesem Prozess beteiligen sollten.

Unser Logo macht die verbindenden Elemente und auch das gemeinsame Lebensgefühl bei uns an der Mittelhaardt deutlich: Sie sehen hier einen radfahrenden Bacchus, dem der Wein zusagt und der die pfälzische Landschaft und die Sonne genießt. Unsere Region ist geprägt vom Weinbau und der Landwirtschaft sowie einer wunderschönen Natur, die sich sowohl in der Ebene in Haßloch mit seinem großen Waldgebiet als auch in Deidesheim und seinen Dörfern entlang der Weinstraße zeigt.

Der Reiz in diesem Prozess besteht durchaus darin, dass wir uns als Kommunen unterschiedlicher Größe und auch unterschiedlicher Infrastruktur treffen. Auf der einen Seite die Verbandsgemeinde Deidesheim die aus insgesamt 5 Einzelorten besteht und auf der anderen Seite das Großdorf Haßloch, mit seiner mittelzentralen Struktur. Wir beide, Deidesheim und Haßloch, haben uns in den zurückliegenden Jahrzehnten bereits stark verändert und dieser Veränderungsprozess wird weitergehen. Die Landwirtschaft beziehungsweise der Weinbau hat uns geprägt, verschwindet aber immer mehr als Erwerbszweig aus unseren Orten. In Haßloch gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe und auch in Deidesheim konzentriert sich der Weinbau inzwischen auf wenige Winzer beziehungsweise die Genossenschaft. Gewerbe und Verkehr haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten verändert, die Ortsbilder wurden durch eine ganz Reihe von Maßnahmen stetig aufgewertet. Schließlich konnte sich Deidesheim als Ort des Weins und des Tourismus in den zurückliegenden 30 Jahren etablieren. In Haßloch - wer hätte das gedacht - pflegen wir ebenfalls das zarte Pflänzchen Tourismus, wir können uns aber vor allem als Wohn- und Wirtschaftsstandort präsentieren.

Schließlich erreicht uns der demographische Wandel, der dazu führen wird, dass die Einwohnerzahlen in den kommenden Jahrzehnten langfristig sinken werden und der Anteil der älteren Menschen weiter zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund gilt es, Stärken der Region hervorzuheben und zu einer nachhaltigen Entwicklung zu führen, die der Wirtschaft genauso wie dem Lebensgefühl der Menschen, gut tun. Regionale Produkte verdienen es dabei hervorgehoben zu werden, aber auch regionale Dienstleistungen. Ich freue mich, dass es hier eine ganze Reihe von Ansätzen gibt, die Vermarktung dieser Produkte weiter zu pflegen. Wir werden in dem bevorstehenden Prozess Schwerpunkte herausarbeiten und Projekte definieren, die wir in den kommenden Jahren umsetzen wollen. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich bereits eine ganze Reihe von Bürgern bereit erklärt haben, aktiv an diesem Prozess mitzuarbeiten. Unter der Moderation des TAURUS-Instituts hat sich eine Steuerungsgruppe zusammengefunden mit Experten zu den einzelnen Schwerpunktbereichen aus beiden Kommunen. Die Bürgerbeteiligung wird sich nun an diese Vorarbeit anschließen.

Meine Damen und Herren, wir haben uns darauf verständigt, dass das Projekt den Namen trägt „ILE Deidesheim-Haßloch". Wir haben uns ein prägnantes Logo gewählt, für dessen Gestaltung ich der Künstlerin Frau Doris Gaab-Vögeli ganz herzlich danken möchte. Dieses Logo wird Sie in unseren Amtsblättern, Einladungen und im Internet stets begleiten und soll für Sie ein Erkennungsmerkmal für diesen Prozess sein. Wir haben uns darauf verständigt, dass die Geschäftsführung für diesen Prozess bei der Gemeindeverwaltung Haßloch angesiedelt ist. Unser Umweltbeauftragter, Herr Michael Müller, so zu sagen die Aufgabe des

Geschäftsführers übernommen. Unsere Verwaltungen stehen Ihnen darüber hinaus gerne auch als Ansprechpartner zur Verfügung. Die jeweiligen Ergebnisse dieses Prozesses finden Sie unter www.ile-deidesheim-hassloch.de.

Unsere Kommunen können bereits auf eine Reihe von Vernetzungen blicken. Ich nenne die Bereiche Verwaltung, Polizei, Schulen oder die Zusammenarbeit in der Ökumensichen Sozialstation Mittelhaardt. Ich möchte aber nicht schließen ohne auch die zwischenmenschliche Komponente dieses Prozesses hervorzuheben. Wir sind heute und waren schon im Rahmen der bisherigen Arbeitssitzungen zu Gast in Deidesheim. Wir hoffen, die ILEK-Freunde aus Deidesheim bei unserem Andechser Bierfest begrüßen zu können. Ich bin sicher, es wird viele gemeinsame Gelegenheiten geben, bei denen wir mehr über einander erfahren und uns näher kommen. Nicht ohne Stolz darf ich hier in der Stadthalle der herausragenden Weinstadt Deidesheim vermerken, dass sie es schließlich bei Haßloch mit dem größten weinbautreibenden Dorf Deutschlands zu tun haben, das seit vergangenem Jahr in der Lage ist, Wein mit dem Namen „Haßlocher Leisböhl" auszuschenken. Dieser Marketingerfolg, der an dieser Stelle beispielhaft stehen kann für ländliche Entwicklungsprojekte, war nicht zuletzt nur möglich gewesen mit der Hilfe der ausgezeichneten Meckenheimer Winzer. Wenn uns auch alle weiteren gemeinsamen Projekte, die dieser Prozess hervorbringen soll, so gut gelingen wie der Haßlocher Wein, dann ist mir um den Erfolg der ILE-Region Deidesheim-Haßloch nicht bange. Ich wünsche uns allen einen spannenden Auftakt und einen spannenden gemeinsamen Entwicklungsprozess. Vielen Dank!

Hans-Ulrich Ihlenfeld
Bürgermeister

Haßloch, den 25. September 2008