Traueransprache für Herrn Walter Weintz am 21. Januar 2009
Sehr geehrter Herr Weintz, sehr geehrte Frau Straub, liebe Familien Weintz, verehrte Trauergäste,
als vor 2 ½ Jahren unser Ehrenbürger Altbürgermeister Kurt Flockert verstarb, war es unser Wunsch, dass ein letzter Gruß auch von einem Vertreter der Vereine gesprochen wird. Bei unseren Überlegungen kamen wir schnell auf Herrn Walter Weintz, der nicht nur selbst wie kein anderer die Haßlocher Vereine vertreten konnte; er war auch ein enger Freund und langjähriger Webbegleiter Kurt Flockerts. Sein Gesundheitszustand war jedoch damals angeschlagen und ich war mir bei meinem Anruf nicht sicher, ob man mit diesem Anliegen an ihn herantreten sollte.
Walter Weintz bat sich eine kurze Bedenkzeit aus. Bei meinem erneuten Anruf sagte er mir jedoch ohne Zögern mit klaren Worten zu: Es sei ihm wichtig und ein Herzensanliegen, seinem Freund diese letzte Ehre zu erweisen. Bei der Beerdigung selbst meisterte er - so man dieses Vokabular für die Beschreibung eines solchen Anlasses verwenden kann - mit seiner schlichten, aber authentischen und be-eindruckenden Rhetorik, die ihm zugedachte Aufgabe ausgezeichnet. Die Trauergemeinde war sehr dankbar für diese Würdigung.
Ich schildere dieses Ereignis, um zum Einen seine außergewöhnliche Begabung deutlich zu machen, Dinge mit klaren Worten auf den Punkt zu bringen und Menschen für sich zu gewinnen; ich schildere diese Begebenheit aber gerade deswegen, weil sich Walter Weintz - wohl in offiziellem Rahmen zum letzen Mal - für das öffentliche Leben in ungewöhnlichem Maße in die Pflicht nehmen ließ. Als er zusagte, wusste ich: Ich kann mich darauf verlassen und es war richtig so.
Walter Weintz hat sich ein Leben lang in die Pflicht nehmen lassen oder wie er selbst formulierte: „Ein Leben in den Vereinen, ein Leben für die Vereine!" Bis zu seinem Lebensende summieren sich, wie er selbst einmal errechnet hat, weit über 90 Jahre gemeinnützige Dienste in Vereinen.
Walter Weintz war Gründungsvorsitzender und in der Folge 1. Vorsitzender der Marinekameradschaft Haßloch und Umgebung über 35 Jahre hinweg.
Er war Gründungsvorsitzender und 11 Jahre Vorsitzender des 1. Judo-Clubs Haßloch, des späteren 1.Judo-, Jiujitsu- und Karateclubs.
Er war 11 Jahre 1. Vorsitzender des Vereins für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Haßloch.
Er war Gründungsvorsitzender und für 5 Jahre 1. Vorsitzender der Siedlergemeinschaft „Wehlache".
Die Marinekameradschaft und der Judoclub haben ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt, im Schäferhundeverein wurde er Ehrenmitglied.
Dem Judoverband Pfalz gehörte er 4 Jahre als Landesjugendwart an und bekleidete zeitweise auch das Amt des stellvertretenden Landes-verbandsvorsitzenden.
Für 5 Jahre stand er in den frühen 50iger Jahren der Leichtathletikabteilung der TSG vor.
Dieses herausragende Engagement hat in Haßloch Spuren hinterlassen: Walter Weintz holte drei Mal Deutsche Judomeisterschaften nach Haßloch, für die Marinekameradschaft richtete er zwei internationale „Bismarcktreffen" in Haßloch aus.
Der Bau der ersten Seemannsklause, des Vereinsheims der Schäferhunde, die Anlage eines zweiten Übungsplatzes für Ausbildung von Katastrophenschutzhunden,
die Patenschaft für das Marineboot „Freya" und
die Errichtung der Trimm-Dich-Strecke Anfang der 70iger Jahre sind maßgeblich auf sein Wirken zurückzuführen.
Für die Siedlergemeinschaft konnte er eine Reihe gemeinsamer Anliegen, so zum Beispiel die Vollunterkellerung der Siedlerhäuser durchsetzen. Nicht zuletzt gehörte Walter Weintz auch für fünf Jahre dem Gemeinderat und vier seiner Ausschüsse an.
Walter Weintz war ein ausgezeichneter Sportler, der in seiner Heimat Haßloch, - aber auch in den langen Jahren der Kriegsgefangenschaft - unzählige Erfolge, vor allem in der Leichtathletik erzielte.
Sein Leben und sein außergewöhnlicher Einsatz für die Vereine kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass Walter Weintz als einer der wenigen Überlebenden des Schlachtschiffes „Bismarck" den Krieg mit allen seinen Begleiterscheinungen erfahren musste. Er erlebte den Tod zahlreicher Kameraden, eigene Lebensgefahr und schließlich sieben Jahre der Kriegsgefangenschaft. Die Dankbarkeit, am Leben geblieben zu sein, waren Motor für seinen ehrenamtlichen Einsatz, aber auch für sein mahnendes Wort: „Nie wieder Krieg". Bei der Eröffnung der „Bismarck"-Ausstellung im Heimatmuseum im Jahre 2005 und in der Broschüre „Die Bismarck war mein Schicksal" machte er unmissverständlich deutlich, dass das Schlachtschiff mit seiner damals beeindruckenden Technik, nichts anderes als ein Kriegsgerät war. Die Mahnung zum Frieden verstand er als persönlichen Auftrag,
er formulierte es so: „Das Wort Kamerad ist nicht nur ein Wort mit sieben Buchstaben, sondern eine Verpflichtung; die Verpflichtung des Miteinander und des friedlichen Nebeneinander!"
Walter Weintz war stolz auf sein Leben und konnte dies zurecht sein. Doch bis zu seinem Lebensende hat ihn beschäftigt, dass dieses „sich in die Pflicht nehmen lassen" auch seinen Preis hatte.
Die Familie musste ihn oft entbehren, wie er selbst einmal bekannte: „Dass ich nie da war, bedauere ich heute sehr. Wenn nicht beiderseitige „Einsicht" herrscht, ist es kein Verein wert, vor der Familie zu rangieren." Er war dankbar für das Verständnis, das ihm seine Ehefrau und seine Kinder ent-gegengebracht hatten. Ohne diesen Einsatz für die Allgemeinheit wäre Walter Weintz nicht denkbar gewesen, aber auch nicht ohne seine Fürsorge für die Familie. In seinem Herzen standen seine Frau und seine Kinder an erster Stelle. Am Ende war es der Verlust seiner lieben Frau, Irene Weintz, der seine Lebenskraft gebrochen hatte.
Walter Weintz hinterlässt ein wohlbestelltes Lebenswerk.
Die Gemeinde Haßloch hat sein Wirken und seine überragenden Verdienste 1987 mit der Verdienstmedaille in Gold gewürdigt. Ich bin sicher, dass Walter Weintz die größte Würdigung durch die vielen Wegbegleiter und Mitstreiter erfuhr und erfährt, die sich dankbar an sein Wirken erinnern. Sein Idealismus war außergewöhnlich. Unsere liebenswerte Gemeinde wäre ohne Walter Weintz und sein Wirken ein großes Stück ärmer.
Hans-Ulrich Ihlenfeld
Bürgermeister














