Traueransprache zur Beerdigung von Altbürgermeister Kurt Flockert am 28. Juli 2006
Liebe Familien Flockert,
sehr geehrte Trauergäste,
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
vor 20 Jahren trat Kurt Flockert als Bürgermeister der Gemeinde Haßloch in den Ruhestand. Das Amt des Bürgermeisters hatte er 26 Jahre versehen – eine Ära, in der sich Haßloch entscheidend gewandelt hatte.
Das Gesicht Haßlochs im Jahr 1960, als der Jurist Kurt Flockert nach dem Tod Emil Schneiders zum Oberhaupt unserer Gemeinde gewählt worden war, ist für junge Menschen heute kaum noch vorstellbar. Haßloch war geprägt von der Landwirtschaft, die alten Straßen waren noch von Gräben durchzogen, der Aufbau unserer Gemeinde nach dem Krieg war längst noch nicht abgeschlossen.
Die Entwicklung des Großdorfs zu einer modernen Gemeinde wurde in den folgenden Jahrzehnten entscheidend vom Wirken Kurt Flockerts geprägt. Zentrale Aufgabe in den ersten Jahren waren der Bau der Kanalisation und der Bau der Schulen in Haßloch. Das Schulwesen war damals noch auf dem Stand von 1935, als das Westschulhaus der Schillerschule errichtet wurde. Kurt Flockerts Einsatz ist der Bau der Ernst-Reuter-Schule und der Realschule in den 60iger Jahren zu verdanken. In den 60iger und 70iger Jahren entstanden mit dem wachsenden Großdorf, das längst die 15.000–Einwohnermarke überschritten hatte, eine Reihe von Neubaugebieten. Es folgten nach langjährigen Verhandlungen der Bau der Ostumgehung und auch die Planungen für die Westrandstraße waren im Jahr seines Ausscheidens bereits weit fortgeschritten. Der Bau und der Umzug in das neue Rathaus fanden noch in seiner Amtszeit statt. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht waren unter Kurt Flockert viele Weichen in die Zukunft gestellt worden. Die Ansiedlung von Schmalbach-Lubeca, der Firma Hildebrand und die Gründung und die Erweiterungen des Holiday Parks oder die Ansiedlung des Massa-Marktes, verbunden mit dem in Haßloch wie überall stattfindenden Wegfall der kleinen Lebensmittelgeschäfte, waren einschneidende Veränderungen, die heute im Hinblick auf die gegenwärtige allgemeine wirtschaftliche Situation geradezu revolutionär erscheinen. Die Notwendigkeit der Stärkung des Einzelhandels und der Ortsmitte hatte schon damals Kurt Flockert erkannt. Unter anderem ging auf seine maßgebliche Initiative der Bau des Ärztehauses zurück. Aber auch den damals noch unter kommunaler Regie stattfindenden sozialen Wohnungsbau trieb Kurt Flockert als langjähriger Vorsitzender der Bauhilfe entscheidend voran. Das Bürgerinteresse und auch das Bestreben, öffentliche Mittel sparsam einzusetzen, standen für ihn immer im Vordergrund.
Kurt Flockert stammte aus einer Böhler Familie und war von 1956 bis 1960 Bürgermeister der Nachbargemeinde. Er stammte aus – wie man sagt – kleinen Verhältnissen, seine Eltern und Vorfahren waren Landwirte und Arbeiter in der Anilin. Die in der Familie gesammelte Erfahrung des sich Bescheidens waren für seine politische Tätigkeit ebenso bestimmend wie die Erfahrungen als Kriegsteilnehmer in Stalingrad. Das Wohlergehen unserer Bürgerinnen und Bürger lag ihm am Herzen, im Persönlichen wie im Vereinsleben. Er war selbst ein eher verschlossener und distanzierter Mensch, jedoch gleichzeitig – dies war ihm in all den Jahren immer sehr wichtig – für die Bürger stets ansprechbar. Genau dies schätzte unsere Bevölkerung an ihm.
1961 war das Jahr, in dem unsere Partnerschaft zur französischen Stadt Viroflay unter Bürgermeister Kurt Flockert besiegelt wurde. Die Aussöhnung mit Frankreich war für ihn ein aus der eigenen Kriegserfahrung resultierendes persönliches Anliegen. Er war der Motor der Partnerschaft, unaufhaltsam bestrebt, Menschen aus Haßloch mit Menschen aus Viroflay zusammen zu bringen. Daraus wuchsen jahrzehntelange Freundschaften, so auch seine eigene zu Viroflays Bürgermeister Gérard Martin und seiner Familie. Gérard Martin hat anlässlich des Todes von Kurt Flockert an uns geschrieben:
„Im Namen der Mitglieder des comité de jumelage spreche ich Ihnen, den Mitgliedern des Gemeinderates, des Partnerschaftsbeirats und allen Einwohnern von Haßloch mein Beileid aus.
Ich habe Kurt Flockert, der viel für die Partnerschaft geleistet hat, gut gekannt. Sein Ableben heute schmerzt mich sehr. Ich denke an seine Kinder, die nun angesichts des Schmerzes über den Verlust des Vaters Mut beweisen müssen.
Er war mein Freund. Er hat sehr viel gearbeitet und liegt jetzt in Frieden. Er bleibt für uns alle ein verdienstvoller Mann und von hohem Pflichtbewusstsein. Wir werden ihn nie vergessen.“
Auch der neue Bürgermeister der Gemeinde Viroflay, Olivier Lebrun, hat den Angehörigen und der gesamten Gemeinde sein Beileid ausgesprochen.
Ein großes Anliegen, auch über die Pensionierung hinaus, war für ihn die bis heute ehrenamtlich geführte Volkshochschule unserer Gemeinde, für die er als Vorsitzender, Leiter und Fachbereichsleiter vier Jahrzehnte tätig war. Auch hier zeigt sich der hohe Stellenwert, den Kurt Flockert in Haßloch dem Ehrenamt beimaß.
In seiner Amtszeit entstand mit der VHS- Altenstube nicht nur die erste Altenstube in Haßloch. Auch bei den Vereinen entstanden in seiner Zeit zahlreiche Vereins- und Sportanlagen. Exemplarisch sei nur der Neubau des TSG-Leistungszentrums am Waldrand genannt. Kurt Flockert, selbst Fußballspieler und begeisterter Sportanhänger, steuerte diese Entwicklungen wesentlich. Dem Pfälzischen Rennverein stand er lange als Stellvertretender Vorsitzender vor.
In diesen Tagen feiern wir 20 Jahre Heimatmuseum im Ältesten Haus. Auch hier war es Kurt Flockert, dem es mit Geschick gelungen war, Ende der 70iger Jahre das Anwesen für die Gemeinde zu erwerben, um es in den folgenden Jahren denkmalgerecht zu sanieren. Auch die Gründung und die beispielhafte Entwicklung unserer Musikschule in Haßloch geht auf die Initiative des Altbürgermeisters zurück.
Wenn man alle diese Entwicklungen heute mit Respekt sieht, darf man nicht verkennen, dass diese in all den Jahren auch von heftigen politischen Diskussionen im Gemeinderat begleitet waren, denen Kurt Flockert in seiner ihm eigenen Beharrlichkeit und mit seinem Durchsetzungsvermögen standhielt.
Eine wichtige Stütze war ihm – und auch dies sei heute in Erinnerung gerufen – seine bereits vor 7 Jahren verstorbene Ehefrau Elisabeth, die nicht nur die Gattin des Bürgermeisters war, sondern mitten in der Bevölkerung stand und viele Anliegen auffing.
Kurt Flockert war für Haßloch in einer Vielzahl von Gremien tätig, unter anderem beim Gemeinde- und Städtebund, in der Planungsgemeinschaft Rheinpfalz, im Raumordnungsverband und als ehrenamtlicher Richter beim Landessozialgericht.
Die wichtigste Bedeutung für unsere Gemeinde dürfte dabei die Mitgliedschaft im Kreistag der Landkreise Neustadt an der Weinstraße und Bad Dürkheim von 1964 bis 1994 gehabt haben, verbunden mit insgesamt 34 Jahren als Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse. Seine Triebfeder beim Kreis war der Einsatz für die Belange Haßlochs. Es ist ein Zeichen seines hohen Pflichtbewusstseins und seines Fleißes, dass kaum eine Sitzung ohne ihn stattfand.
Frau Landrätin Sabine Röhl, die heute leider nicht hier sein kann, hat mich gebeten, ausdrücklich die Anerkennung des Landkreises für Flockerts langjährige Mitgliedschaft im Kreistag auszusprechen.
Liebe Trauergäste,
Kurt Flockert ist für seine Tätigkeiten vielfach geehrt worden, unter anderem mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Gemeinden Haßloch und Viroflay sowie der Verleihung der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz und des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland. Er war der erste, bis zum vergangenen Jahr der einzige Ehrenbürger unserer Gemeinde und dies nicht nur auf dem Papier. In den zurückliegenden Jahren habe ich selbst bei Veranstaltungen immer wieder erfahren, mit welch hoher Wertschätzung und mit welch großem Applaus unsere Bevölkerung seine Anwesenheit zur Kenntnis nahm. Er war ein wichtiges Stück Haßloch, das uns fehlen wird. Bis in die jüngste Vergangenheit lag ihm viel daran, am Geschehen in unserer Gemeinde Anteil zu nehmen. Bei der Verleihung der zweiten Ehrenbürgerschaft an seinen Freund Gérard Martin ließ er es sich nicht nehmen, dies selbst in französischer Sprache zu würdigen.
In seiner bescheidenen Art wollte Kurt Flockert auch im hohen Alter nur ungern die Hilfe Anderer in Anspruch nehmen, obwohl er selbst diese Hilfe in vielfältiger Form gegeben hat. Sein politisches Gespür, sein Blick für das Wesentliche war ihm bis zu seinem plötzlichen Tode erhalten geblieben.
Noch vor wenigen Tagen konnten wir im Kreise von Freunden und der Familie seinen 85. Geburtstag feiern.
Sein Leben ging kurz darauf zu Ende – man kann getrost sagen ein bewegtes Leben hat sich vollendet.
Liebe Familie Flockert,
die äußeren Zeichen seines Wirkens bleiben in Haßloch unübersehbar. Wir werden unseren Ehrenbürger in dankbarer und ihm zugeneigter Erinnerung behalten. Ich darf Ihnen von ganzem Herzen meine persönliche Anteilnahme, die Anteilnahme der Beigeordneten, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie aller Fraktionen des Gemeinderates aussprechen.
Hans-Ulrich Ihlenfeld
Bürgermeister














