45jähriges Bestehen der Partnerschaft Haßloch Viroflay
Viroflay, Samstag, 24. Juni 2006, Sportzentrum Gaillon
Lieber Herr Kollege Olivier Lebrun,
lieber Ehrenbürger der Gemeinde Haßloch Gérard Martin,
liebe Freunde der Partnerschaft Haßloch – Viroflay,
sehr geehrte Damen und Herren,
exakt in diesen Tagen sind es 45 Jahre in denen unsere Partnerschaft Viroflay – Haßloch besteht.
Unserer früherer Bundespräsident Richard von Weizäcker hat einmal formuliert:
„Freundschaft lässt sich nicht befehlen – sie muss wachsen.“
Wie sehr ist gerade unsere Freundschaft diesem Anspruch gerecht geworden. In 45 Jahren sind unendlich viele enge persönliche Bindungen zwischen Viroflay und Haßloch entstanden. Es gibt gewachsene Freundschaften zwischen Familien, Vereinen, Einrichtungen und vor allem den Schulen, die seit Jahrzehnten den Schüleraustausch zwischen Viroflay und Haßloch organisieren. Dies alles wurde mehrfach in Wort und Bild zusammengestellt. Erwähnen möchte ich hier nur die letzte Chronik der beiden Autoren Marga Postel und Dr. Wolfgang Hubach, die in mühevoller Arbeit „Die Geschichte einer Freundschaft“ zum 40jährigen Jubiläum verfasst haben.
Dabei war die Ausgangslage für deutsch/französische Beziehungen auf kommunaler Ebene nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst ein abstrakter politischer Ansatz:
Der 1950 gegründete Rat der Gemeinden und Regionen Europas verfolgte mit der Initiierung kommunaler Partnerschaften das Ziel, einen neuen Anfang in Europa zu schaffen und die Überwindung von Erbfeindschaften zu erreichen. Dies alles ist heute in überreichem Maße gelungen:
„ Wo Begegnung ist, wächst Verständnis,
wo Verständnis ist, wächst Freundschaft,
wo Freundschaft ist, wächst Frieden.“
Unsere heutigen Jugendlichen, die am Schüleraustausch teilnehmen und nach Frankreich fahren, kennen den Unfrieden zwischen Deutschen und Franzosen nur aus den Geschichtsbüchern – und dies ist gut so. Ein Sieg über Frankreich wünschen wir uns allenfalls noch bei der Fußball-WM, die uns zur Zeit begeistert. Und dies ist ein sportlicher Wettstreit.
Unsere Welt in Europa hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten politisch und in allen Lebensbereichen gewandelt.
Die Gründungsväter unserer Partnerschaft würden mit den Augen von damals weder Viroflay noch Haßloch wieder erkennen. Dass wir – die Bürger von Viroflay und die Bürger von Haßloch – Hand in Hand diese lange Wegstrecke miteinander gegangen sind und die Freundschaft wachsen und reifen konnte, hat seinen Grund darin, dass wir immer im intensiven freundschaftlichen Gespräch geblieben sind. Ich erwähne an dieser Stelle besonders die Bürgermeister Pierre Chedell und Gerard Martin aus Viroflay, aber auch Emil Schneider, Kurt Flockert und Hanns-Uwe Gebhardt aus Haßloch.
Partnerschaft heißt, mit anderen Augen sehen. Es setzt voraus, sich auf die Welt des Anderen einzulassen und die Dinge mit seinen Augen zu sehen.
Ist es Euch, liebe Freunde aus Viroflay, nicht auch oft so ergangen wie uns, dass Ihr nach der Rückkehr von einer Begegnung gerade auch die Unterschiede zwischen den Menschen unserer beiden Kommunen festgestellt und so auch mehr über Euch selbst erfahren habt?
Schon die alten Ägypter haben gesagt: „Jeder Nachbar kann ein Lehrer sein.“
Sie alle kennen die Schilderungen der Pioniere unserer Partnerschaft von den ersten Begegnungen, von den Mühen der Reisen und von den Aufnahmen in den Gastfamilien. Heute ist der Weg nach Viroflay oder nach Haßloch für uns eine vergleichsweise kurze Reise geworden. Per Telefon, E-mail oder Internet können wir uns in Sekundenschnelle austauschen. Doch die persönliche Verbindung hat an Faszination nichts verloren. Unsere Partnerschaft ist aus dem Leben unserer Gemeinde nicht mehr weg zu denken.
Auch zu der diesjährigen Begegnung in Viroflay sind wir wieder mit einer stattlichen Delegation angereist. Weitere Begegnungen im Herbst werden folgen und kurz gesagt, freuen wir uns schon jetzt sehr darauf. Gerade bei unseren letzten Gesprächen sind eine ganze Reihe neuer Ideen geboren worden. Ich habe noch die Worte von Gérard Martin in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees in Viroflay im Ohr, der die Wichtigkeit des Gespräches und des Austausches mit der Jugend hervorhob. Wir werden alles dafür tun, dass uns gerade diese Verbindungen zwischen den jungen Menschen – sei es in der politischen Diskussion, in Schule, Sport oder Kultur gelingt.
Wir feiern in diesem Jahr aber noch zwei weitere Jubiläen.
Es sind nämlich genau 25 Jahre, in denen wir gemeinsam ein Partnerschaftsprojekt mit der Stadt und dem Kreis Kolokani in Mali begleiten. Es freut mich sehr, dass wir bei der heutigen Gelegenheit auch Herrn Präfekt Kono Traoré aus Kolokani und den Präsidenten der Bürgermeister im Kreis Kolokani, Herrn Jacques Diarra, begrüßen können. Es freut uns besonders, dass die beiden Gäste aus Kolokani auch noch zu uns nach Haßloch reisen. Das gemeinsame Eintreten für Kolokani ist ebenfalls ein Beweis für die Ernsthaftigkeit unserer Partnerschaft.
Schließlich feiern wir 2006 auch 30 Jahre Schüleraustausch zwischen der Sophie-Scholl-Realschule in Haßloch und dem Collége Racine in Viroflay.
Gestern wie heute nimmt unsere Bevölkerung an der Partnerschaft großen Anteil. Es ist für uns eine Ehre und ein besonderes Vergnügen, dass wir in diesem Jahr wieder beim Straßenfest in Viroflay vertreten sind und ich hoffe sehr, dass wir das Vergnügen für die Bevölkerung mit unserem Wein, mit Pfälzer Spezialitäten und mit unserer Musik auch noch etwas steigern können. Überhaupt – das gemeinsame Lachen und Feiern hat uns ebenfalls eng miteinander verbunden.
Ich möchte nicht schließen, ohne allen Freunden aus Viroflay, aber auch aus meiner eigenen Gemeinde Haßloch herzlich zu danken, die in all den Jahren – an welcher Stelle auch immer – für unsere Freundschaft gearbeitet und sie mit Leben erfüllt haben. Ich bin sicher, dass wir auch in Zukunft durch unsere Partnerschaft viel Interessantes und Verbindendes miteinander erleben werden. Freuen wir uns deshalb gemeinsam auf die Zukunft unserer
Partnerschaft Viroflay – Haßloch!
Vielen Dank!