Nachruf zum Tode von Richard Sang
Im Kreise seiner Familie konnte Richard Sang im Sommer des letzten Jahres noch seinen 85. Geburtstag feiern. Es war ein fröhlicher Tag, an dem er zufrieden auf ein ereignisreiches Leben blicken konnte, in dem ihm sechs Jahrzehnte seine Frau Hedwig zur Seite stand. Bei dieser Gelegenheit erinnerte er sich auch an seine Jugendjahre in Haßloch, das damals noch stark von der Landwirtschaft geprägt war.
Am altsprachlichen Gymnasium in Neustadt hatte er das Abitur absolviert. Richard Sang begann 1945 nach Kriegsdienst und Gefangenschaft seinen beruflichen Weg in der Firma Gottlieb Duttenhöfer. Als Enkel des Firmengründers war ihm der Einstieg in das Familienunternehmen in die Wiege gelegt. Duttenhöfer hatte bereits in den 50er Jahren über 350 Beschäftigte und ist bis heute das größte produzierende Unternehmen in Haßloch. Dass die Firma ihre Stellung auf dem Markt der Blech verarbeitenden Unternehmen bewahren konnte, ist in hohem Maße Sangs weitsichtiger und innovativer Führung zu verdanken. Richard Sang hatte ab 1952 gemeinsam mit dem weiteren Gesellschafter, Peter Lutz, die Aufgabe, die durch die Kriegsgeschehnisse stark beeinträchtigte Produktionsstätte zu einem modernen Unternehmen in der Metall- und Blechverarbeitung zu führen. Sowohl der Ausbau der Produktionslinien für Blechemballagen als auch die geschäftlichen Kontakte, insbesondere zur deutschen chemischen Industrie aber auch ins benachbarte Ausland konnten bis zu seinem Ruhestand 1987 ausgebaut werden. Das Firmengelände wurde 1977 wesentlich erweitert.
Neben seinem erfolgreichen unternehmerischen Wirken war Richard Sang ein in der Familientradition stehender Unternehmer, der sich stets in der Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sah. Mit diesem Eintreten für die Belegschaft war auch ein großes soziales Engagement für die Gemeinde Haßloch und seine Vereine verbunden. Vor allem der Vogelschutzverein wurde von ihm nachhaltig unterstützt.
Daneben war Richard Sang in seiner Freizeit ein begeisterter Segler und hatte eine große künstlerische Leidenschaft. In seinen letzten Lebensjahrzehnten war es die asiatische Kultur, die ihn in ihren Bann zog. Beharrlich konnte er eine wertvolle und hoch interessante Sammlung asiatischer Suiseki-Steine zusammentragen, die in Deutschland zu einer der bedeutendsten Sammlungen dieser Art gehört. In zwei Katalogen sind die von ihm erworbenen 80 Steine dokumentiert und in ihrer faszinierenden optischen Wirkung beschrieben. In den letzten Jahren war sein Augenmerk darauf gerichtet, diese Steine für die Gemeinde Haßloch als Sammlung zu erhalten. Als Vermächtnis hat er der Gemeinde die Sammlung übertragen, mit dem Auftrag, für sie einen geeigneten Ausstellungsraum im Bereich des geplanten Kulturvierecks in der Gillergasse zu errichten. Die Gemeinde sieht in diesem Auftrag die Chance, die wertvolle Sammlung für Menschen aus Nah und Fern zugänglich zu machen und damit dem kulturellen Geschehen in Haßloch Auftrieb zu geben. Richard Sang hat seine Idee von der Fortführung seiner Sammlung gegenüber den Verantwortlichen in der Gemeinde stets mit großer menschlicher Wärme vertreten. Wir fühlen uns seinem Auftrag verpflichtet.
Hans-Ulrich Ihlenfeld
Bürgermeister