Mar 9, 2008

Familien stärken - Eine Herausforderung für Lokale Netzwerke

2. Fachtagung der Lokalen Bündnisse für Familie in Rheinland-Pfalz, 22. Januar 2008 im Erbacher Hof, Mainz

Das Lokale Bündnis für Familien in Haßloch war auch vertreten. Jürgen Hurrle referierte über die Haßlocher Bündnisarbeit. Mit seinem lebendigen Bericht aus der Arbeit der ehrenamtlichen Bündnismitglieder konnten sich die Teilnehmer der Fachtagung einen eindrucksvollen Einblick über die Bündnisarbeit hier in Haßloch verschaffen.

Hier die Zusammenfassung des Fachtages im Überblick:
Innovation für Familie und Kommunen - Lokale Netzwerke als Zukunftschance

Über 100 Fachkräfte und kommunale Entscheidungsträger aus Rheinland-Pfalz informierten sich auf der 2. Fachtagung "Familien stärken - Eine Herausforderung für kommunale Netzwerke" über innovative Projekte aus Lokalen Bündnissen für Familie, vorwiegend aus rheinland-pfälzischen Kommunen. Die Fachtagung wurde von der VIVA FAMILIA - Servicestelle für lokale Bündnisse in der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) im Auftrag des Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen durchgeführt.

Zentrale Ansätze von Lokalen Bündnissen als kommunale Netzwerke für Familie sind das Zusammenwirken von Fachkräften aus Wohlfahrtsverbänden, kommunalen Einrichtungen, Kirchen, Familienbildungsstätten und -beratungseinrichtungen, Kommunalverwaltungen und Entscheidungsträgern vor Ort. Kennzeichnend für Lokale Bündnisse für Familie ist darüberhinaus die Einbeziehung von ehrenamtlichem Engagement und von Akteuren aus der Wirtschaft für die Belange von Familien.

Von der Notfallbetreuung für Kinder, über Ferien- und Nachmittagsbetreuung bis hin zum Oma-Opa-Service, Väterfrühstück, Familienpatenschaften, Ehrenamtsbörsen, Projekten zur Förderung familienfreundlicher Betriebe, der Unterstützung junger Menschen bei der Lehrstellensuche oder Seniorinnen und Senioren im Sozialen Jahr reichte das vielfältige Angebot der lokalen Netzwerke, das sich auf dem Fachtag präsentierte. Zahlreiche "Good Practice Beispiele" wurden vorgestellt und regten zum Ideentransfer an.

Über die Chancen und Bedeutung von Lokalen Bündnissen für Familie im Kontext von demografischen Wandel und Standort-Gesichtspunkten, referierte Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, (Shell-Studie, World Vision Kinderstudie 2007) Jugend- und Familienforscher an der Universität Bielefeld, in seinem Vortrag "Familien stärken - Eine Herausforderung für kommunale Netzwerke":
"Die Lokalen Bündnisse für Familie in Rheinland-Pfalz sind so etwas wie Hefe, die Prozesse für neue Unterstützungsnetzwerke für Familien und den Generationenzusammenhalt vor Ort in Gang bringen. Gerade Bündnisse für Familie bieten die Chance, innovative Projekte für Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gesundheitsförderung, Familienkompetenz und das Zusammenleben der Generationen vor Ort zu entwickeln. Besonders hervorzuheben ist, dass sich wichtige neue Partner in die Netzwerke eingebunden werden: die großen Kompetenzen der jungen Alten im Ehrenamt und die innovative Kraft von Betrieben und Unternehmen. Davon profitieren alle: von flexibler Kinderbetreuung, über das Wachsen der Familienkompetenz bis hin zum neuen Zusammenleben der Generationen. Bei steigender Mobilität ist es ein Stück Lebensqualität, wenn Kinder eine ‚Leih'-Oma in der Nähe und der Opa wieder einen ‚Leih'-Enkel in der Nähe hat. Kinder vermissen ihre Väter, das haben unsere Studien klar ergeben. Lokale Bündnisse bieten die Chance, Väter stärker in Erziehung und Betreuung ihrer Kinder mit einzubeziehen", so Hurrelmann.

Bernhard Scholten, Leiter der Abteilung Familie im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, unterstrich die Bedeutung der Lokalen Bündnisse im Kontext der rheinland-pfälzischen Initiative VIVA FAMILIA: "Familien in all ihren Formen zu unterstützen, ist ein zentrales Ziel der Landesregierung Rheinland-Pfalz. Die von Familienministerin Malu Dreyer ins Leben gerufene Initiative VIVA FAMILIA unterstreicht diesen Schwerpunkt. Zum vielfältigen Programm von VIVA FAMILIA gehören beispielsweise Projekte zur Stärkung einer familienbewussten Arbeitswelt, Programme zur Stärkung der Familienkompetenz und Angebote zur Förderung der Gesundheit von Familien und Kindern. Die Lokalen Bündnisse leisten hierzu einen wichtigen Beitrag."

Jupp Arldt, Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung eröffnet den Fachtag mit dem Hinweis auf die große Bedeutung der Familiengesundheit im Kontext der gesundheitlichen Prävention; "Lokale Bündnisse für Familien vermindern den Alltagsstress nicht nur von jungen Familien, sie bieten neue Chancen für Ältere und sind ein Baustein gegen die Einsamkeit im Alter. Damit tragen die Lokalen Bündnisse geradezu klassisch Gesunderhaltung bei."

29 Lokale Bündnisse für Familie sind seit Mitte 2005 in rheinland-pfälzischen Kommunen gegründet worden. Online sind die rheinland-pfälzischen Bündnisse für Familie sind über www.lokale-buendnisse-rlp.de vernetzt.
Auf Initiative von Familienministerin Malu Dreyer werden Lokale Bündnisse für Familie in Rheinland-Pfalz von der VIVA FAMILIA - Servicestelle für Lokale Bündnisse in der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG), www.lzg-rlp.de, besonders unterstützt: mit Vernetzungs- und Beratungsleistungen, in der Öffentlichkeitsarbeit sowie im Projektmanagement.

Auf der Fachtagung wurden in Diskussionsrunden sowie in fünf Workshops 15 Good Practice Beispiele vorgestellt und diskutiert, u.a.:

  • Die Familiengenossenschaft e.G., Metropolregion Rhein-Neckar GmbH ist ein Zusammenschluss qualifizierter Tageseltern und investierender Unternehmen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.
  • Seniorinnen und Senioren im Sozialen Jahr leisten ein freiwilliges soziales Jahr im Lokalen Bündnis DienHeim für Familien (Kreis Mainz-Bingen), z.B. als Schülerlotsen oder in der Kinder-, Jugend- und Seniorenbegegnungsstätte.
  • Wunsch-Oma/Wunsch-Opa ist ein Netzwerkprojekt im Kinderschutzbund Kaiserslautern/Kusel im Lokalen Bündnis Kaiserslautern, in dem Seniorinnen und Senioren sich ehrenamtlich der Kinderbetreuung von Alleinerziehenden und jungen Familien widmen.
  • Das Projekt Väterfrühstück zur verstärkten Einbindung von Vätern in die Kindererziehung wurde ebenso vorgestellt wie
  • Familienpatenschaften als Baustein zur Stärkung von Familienkompetenz und ein offener Treffpunkt für Frauen mit Migrationshintergrund.
  • Das Lokale Bündnis für Familie Kaiserslautern hat Mitte 2007 auch einen Nothilfefonds für Familien eingerichtet in Kooperation u.a. mit den Beratungsstellen, Wohlfahrtsverbänden und weiteren Spenderinnen und Spendern.
  • Das Lokale Bündnis für Familien Haßloch widmet sich u.a. dem Thema Gesund sein in Haßloch u.a. mit einem Filmprojekt sowie einem Online-Führer zum Thema Gesundheit.
  • Die Datenbank: Netzwerk-Engagement im Lokalen Bündnis für Familien Kreis Mainz-Bingen vernetzt ehrenamtliches Engagement im Internet: www.netzwerk-engagement.de.  Einen ähnlichen Weg geht die
  • Familienhomepage im Bad Kreuznacher Familienbündnis www.familien-kreuznach.de, die neben der Ehrenamtsbörse noch ein Serviceangebot für Familien bereit stellt.
  • Das Koblenzer Bündnis für Familie setzt u.a. einen Schwerpunkt auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter Einbeziehung von regionalen Betrieben und Unternehmen. Über die Internetseite www.familienbuendnis-koblenz.de wird ein Veranstaltungskalender für Eltern und ihre Kinder vorgestellt.
  • Der Runde Tisch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Speyer stellte ein Konzept zur Notfallbetreuung von Kindern und den
  • Leitfaden zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege vor.
  • Patente Paten schließlich ist ein Kooperationsprojekt im Lokalen Bündnis für Familien Kreis Mainz-Bingen in dem Kreisverwaltung, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und ARGE zusammen mit Ehrenamtlichen und Industrie Patenschaften für schwer vermittelbare junge Menschen auf Lehrstellensuche organisiert.